Netflix kauft Warner Bros. Das hat der Streaming-Riese zumindest am 5. Dezember selbst verkündet. Doch während die angekündigte Übernahme gigantische Wellen schlug, war eigentlich bereits zu diesem Zeitpunkt klar: Endgültig entschieden ist hier noch lange nichts. Denn es gibt nicht nur rechtliche Bedenken gegen den Kauf, sondern mit Paramount auch einen Konkurrenten, der sich im Wettstreit nicht so einfach geschlagen geben will.
Aber fangen wir von vorne an. Mit besagtem Mitbewerber hatte die ganze Geschichte tatsächlich auch begonnen. Denn dass Warner Bros. Discovery überhaupt zum Verkauf steht, lag an einem ungebetenen Angebot von Paramount Skydance.
Das Unternehmen ging im letzten Jahr aus einer Fusion von Paramount und Skydance Media hervor und wird seitdem von David Ellison geführt, dessen Vater Donald Trump sehr nahesteht. Kurze Zeit später waren auch bereits die ersten besorgniserregenden Auswirkungen zu sehen, als das Ende der Late Show von Stephen Colbert, einem großen Kritiker des US-Präsidenten, bekannt gegeben wurde. Der Sender CBS, auf dem die Show läuft, gehört zu Paramount.
Da macht es nur Sinn, dass Trump seinen Einfluss nutzen will, um weitere kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Ein Dorn im Auge scheint ihm vor allem der Sender CNN zu sein, der im Besitz von Warner ist.
Und somit kommen wir zurück zum bereits erwähnten Angebot von Paramount zum Kauf des Studios. Obwohl Warner gar nicht von sich aus verkaufen wollte, waren sie als börsennotiertes Unternehmen in der Pflicht, ihre Shareholder über das sehr lukrative Angebot zu informieren. Da alles auf einen Verkauf hinauslief, eröffnete Warner-CEO David Zaslav einen Bieterstreit, um noch mehr Angebote einzuholen. Zuletzt waren Paramount, Comcast und Netflix im Rennen. Letzterer erzielte dann vor einigen Tagen eine Einigung zur Übernahme des Studios für 83 Mrd. US-Dollar.
Doch mit der Einigung allein ist noch nichts sicher. Denn bevor der Kauf tatsächlich stattfinden kann, muss der Deal erst von der FCC (Federal Communications Commission) geprüft werden. Die US-Behörde soll den fairen Wettbewerb in der Kommunikations- und Medienbranche fördern. Da aber nicht nur das Filmstudio Warner Bros. Pictures Teil des Kaufs wäre, sondern unter anderem auch HBO Max, ein großer Streamingkonkurrent von Netflix, der zu Warner Bros. gehört, sind sich viele Experten bereits jetzt einig, dass der Deal an der Wettbewerbsprüfung scheitern wird. Noch dazu steht auch diese Behörde unter dem Einfluss von Trump, der Warner natürlich lieber im Besitz von Paramount sehen würde.
Eine weitere Hürde ist die Aufteilung von Warner Bros. Discovery, die vor der Übernahme stattfinden müsste. Netflix möchte nämlich nicht das komplette Unternehmen kaufen, sondern nur einen Teil – die Studioeinheiten Warner Bros. Pictures, WB Television, WB Games, DC Studios und New Line Cinema, den Sender HBO und den dazugehörigen Streamingdienst HBO Max. Viele der Fernsehsender, die zu Warner Bros. Discovery gehören, sind nicht Teil des Deals.
Wenige Tage nach der Einigung zwischen Warner und Netflix wurde dann bekannt, dass Paramount ein Gegenangebot eingereicht hat, das auch die Sender umfasst (unter anderem eben CNN). 108 Mrd. Dollar will Paramount dafür zahlen. Das Geld kommt unter anderem aus den Arabischen Emiraten und aus einer Investmentfirma, an der Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beteiligt ist.
Seit diesem Angebot hängt alles in der Schwebe. Wird Netflix noch mal reagieren? Oder wird sich Warner bzw. deren Shareholder für Paramount entscheiden?
Auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher ist, wer am Ende als Gewinner hervorgeht, scheint eines schon festzustehen: Filmfans werden es nicht sein. Ob das Unternehmen an die Trump-Freunde bei Paramount geht, die den Kauf für ihre politischen Zwecke nutzen möchten, oder an Netflix, die dafür sorgen könnten, dass die Filme von Warner Bros. zukünftig nicht mehr (oder kaum noch) in den Kinos, sondern lieber direkt im Stream landen – es sieht nicht gut aus für die Zukunft von Warner.
Falls Ihr noch mehr über die Hintergründe und die möglichen Auswirkungen eines Verkaufs erfahren wollt, empfehlen wir Euch dieses Video von David Hain:
https://youtu.be/dxeLTFoGNjE