Heute
vor 60 Jahren, am 8. September 1966, lief die erste Folge der von Gene Roddenberry erdachten Serie
»Raumschiff Enterprise« auf dem amerikanischen Sender NBC. Dies sollte der Startschuss für eines der
einflussreichsten, langlebigsten und finanziell lukrativsten Medienfranchises aller Zeiten sein. Inzwischen umfasst das Multiversum der "Vereinigten Föderation der Planeten" neun Realfilm-Hauptserien, mehrere Zeichentrick- und Animationsableger, 13 Kinofilme, einen Streamingfilm und einen aufwendig produzierten Hörspiel-Podcast.
Diese Serien und Filme waren prägend für das
Science-Fiction-Genre und insbesondere für
Zukunftsutopien. Viele Star-Trek-Elemente wurden Teil der
Popkultur, und
gesellschaftlicher Fortschritt wurde nicht nur abgebildet, sondern ganz bewusst mitverhandelt – auf der Brücke eines Raumschiffes, auf der 1966 selbstverständlich war, was auf den Straßen der USA durch die Bürgerrechtsbewegung noch erkämpft wurde.
1960er und 1970er: Ein schwacher Start und die WiederauferstehungStar Trek war bei Weitem kein Soforthit und konnte nur durch eine beispiellose Briefkampagne der Fans vor der Absetzung aufgrund
schlechter Quoten gerettet werden. Die letzte Folge der »Raumschiff Enterprise«-Serie lief am 3. Juni 1969, kurz vor der
Landung der Apollo 11 auf dem Mond. Dieses Weltereignis beflügelte das Interesse der Menschen an Raumfahrt und führte dazu, dass die Serie in den
1970ern zum
Standardprogramm wurde. In endlosen Wiederholungsschleifen bildete sich eine eigene
Subkultur, die zum Beispiel Fan-Conventions sowie Fan-Fictions als eigenes Genre erfand. 1976 benannte sogar die NASA ihren Prototypen des Space Shuttles nach einer Fanpetition "Enterprise".
1980er und 1990er: Die goldene ÄraNach einem durchaus erfolgreichen und Emmy-prämierten Zeichentrickintermezzo lief ab
1987 erstmals eine neue Realfilm-Serie und führte zum
kommerziellen Durchbruch.
»Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert« mit Captain Picard (Patrick Stewart) setzte verstärkt auf diplomatische Verhandlungen und erörterte viele hochphilosophische Aspekte. Demgegenüber war »Deep Space Nine« ab 1993 ein Versuch einer dramatischeren Erzählperspektive. Mit »Raumschiff Voyager« bekam erstmals eine Frau die zentrale Rolle und das Sagen an Bord eines Schiffes.
2005 war diese Hochphase dann mit
»Enterprise« beendet.
2009 bis 2016: Der Kelvin-KompromissJ.J. Abrams' Reboot machte Star Trek zum
Blockbuster und tauschte dafür einen Teil des philosophischen Anspruchs gegen Stunts, große Effekte und Tempo. Die Filme waren wahnsinnig erfolgreich, hatten aber vermutlich kulturell die deutlich geringeren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dies führte aber direkt zum neuen
Aufblühen des IPs, denn ...
Seit 2017: die Streaming Ära... mit
»Discovery« wurde die ursprüngliche Zeitlinie fortgesetzt, und
moderne Produktion wurde mit den
philosophischen Fragen der frühen Serie verbunden.
Paramount startete eine regelrechte
Explosion neuer IPs im Franchise. Neben »Discovery« wurden mit »Picard«, »Lower Decks«, »Prodigy«, »Strange New Worlds« sowie »Starfleet Academy« gleich sechs neue Projekte gestartet. Zu viel, zu unübersichtlich, denn schon jetzt ist deutlich, dass wir einem neuen
Ende einer Star-Trek-Ära entgegenarbeiten.
Utopie als Besetzungsentscheidung – Die Figuren des Star-Trek-UniversumsBei der Vielfalt an Serien und Filmen ist die größte Konsistenz aber die Wahl der
Figuren, die alle symbolisch für den Willen einer
utopischen, pluralen Gesellschaft stehen.
Nyota Uhura (Nichelle Nichols) war 1966 eine Schwarze Frau in einer führenden Position – zu einer Zeit, als schwarze Rollen in den USA fast ausschließlich dienend waren.
Hikaru Sulu (George Takei) war 1966 ein asiatischstämmiger Offizier ohne Akzent und Klischee.
Spock ist die Blaupause aller Star-Trek-Außenseiter: zwischen zwei Kulturen, in keiner ganz zu Hause. Leonard Nimoy gab der Figur mit dem vulkanischen Gruß eine Geste, die er einem jüdischen Priestersegen aus seiner Kindheit entlehnt hatte.
Die Linie führt weiter zu
Data, der Maschine auf der Suche nach Menschlichkeit und Selbstbestimmung, zu
Worf als erstem klingonischen Sternenflottenoffizier zwischen Herkunft und Wahlheimat, und zu
Geordi La Forge, dessen Blindheit sinnbildlich für den progressiven Umgang mit Behinderungen stand.
Seven of Nine war als sexualisierte Quotenrettung für »Voyager« gedacht – und wurde dann zur präzisesten Trauma-Studie des Franchises.
Michael Burnham war 2017 die erste Schwarze Frau als Hauptfigur eines Star-Trek-Formats, und ihre Darstellerin Sonequa Martin-Green wurde Ziel einer Review-Bombing-Kampagne, die zeigte, wie aktuell der Konflikt von 1966 60 Jahre später geblieben ist.
Mariner und Boimler schließlich drehten in »Lower Decks« die Perspektive um: Die Utopie sieht von unten ganz anders aus, auch wenn "unten" hier nur die Nachtschicht meint.
Und jetzt?Die Bilanz zum Jubiläum ist
zwiespältig. Nach dem Abschluss der
Skydance-Übernahme wurde Star Trek zwar zur erklärten Priorität der neuen Konzernführung – in der Realität wirkt dies jedoch anders. »Starfleet Academy« endet mit der zweiten Staffel, »Strange New Worlds« mit der fünften, und erstmals seit einem Jahrzehnt ist
keine einzige neue Star-Trek-Serie in Produktion oder bestellt. Ein neuer Kinofilm ist angekündigt – aber das ist eine Ankündigung, die Fans seit 2016 in vielen Varianten hören.
Dazu kommt die
Ironie des kapitalistischen Konzerns, welcher eine Utopie der Kooperation und Post-Konsum-Gesellschaft verkauft.
Aber: Star Trek hat 1969 schon einmal überlebt, weil das
Publikum lauter war als der Sender. Wer weiß, was das für die
Zukunft und die nächsten 60 Jahre bedeutet.
Sammlern legen wir die klasse
1/6 Star Trek Figuren von
EXO-6 ans Herz, zum Beispiel den neu in der Vorbestellung befindlichen
Captain Spock in der Kobayashi Maru Version.