Jonathan Demmes oscarprämierter Kultthriller »Das Schweigen der Lämmer« von 1991 kriecht seinem Publikum auch heute noch, rund 35 Jahre nach seiner Premiere, so eindringlich unter die Haut wie das Messer von "Buffalo Bill" unter die seiner Opfer. Dafür brauchte Demmes keine exploitativen Gewaltorgien, keine überbordenden Actionpassagen und nicht einmal die im Genre zu erwartenden überraschenden Schreckmomente. Seine eigentliche Unruhe entsteht an ganz anderer Stelle: aus der Verschränkung einer grotesken Mordserie mit der systemischen Ungleichbehandlung einer jungen Frau in einem männlich dominierten Apparat – und der unheimlichen Nähe zu ihrem menschenfressenden Mentor im Hochsicherheitstrakt.
Vor allem für Heimkino-Fans und Liebhaber dieses Klassikers war es immer bitter, dass die bisherige Heimkinoauswertung im deutschsprachigen Raum diesem Meisterwerk schlichtweg nicht gerecht wurde: Die alte deutsche Blu-ray von MGM – fairerweise von 2009, aber damals schon nicht mehr als eine gute DVD – kämpfte mit totkomprimiertem Filmkorn, einem matschigen Bild und eher grauen als schwarzen Schatten. Die falsche Tonhöhe der deutschen Synchronisation tat ihr Übriges. Kurzum: die alte Blu-ray wirkte, als sei sie im Halbschlaf durch die Qualitätskontrolle gerutscht.
Die brandneue Capelight-UHD macht diese Fehlentwicklung endlich rückgängig: Bereits 2021 fertigte MGM einen 4K-Filmscan von »Das Schweigen der Lämmer« an und noch im gleichen Jahr veröffentlichte das Label Kino Lorber exklusiv in den USA eine UHD – war aber nachlässig beim Color Grading. Und so entstand, vermutlich wegen eines falsch angelegten Farbraums, ein Grünstich in den ersten 20 Minuten. Der englische Filmverleih und Restaurator Arrow Films korrigierte diesen Fehler 2024 und fertigte ein ausgezeichnetes neues Master an. Eben dieses ist nun auch auf der Capelight UHD zu bewundern, die es seit dem 6. November 2025 in gleich drei verschiedenen Versionen im Handel gibt. Eine Übersicht inkl. Bestellmöglichkeit findet Ihr hier:
https://www.capelight.de/das-schweigen-der-laemmerUnd was für ein Unterschied diese neue Veröffentlichung macht! Der erweiterte Dynamikumfang in HDR10 und Dolby Vision sowie das neue Grading im größeren BT.2020-Farbraum werden sinnvoll genutzt, ohne die bewusst entsättigte Palette zu verfälschen. Highlights erreichen, wohl dosiert eingesetzt, um die 250 Nits oder werden punktuell sogar deutlich heller – so entsteht ein wunderbar realistischer Dynamikumfang mit Punch und Klarheit, der trotzdem immer filmisch bleibt. Apropos filmisch, auch das analoge Filmkorn ist zurück und verleiht dem Material eine organische, für Film typische Textur.
In der insgesamt deutlich schärferen, klareren Abbildungsqualität entfalten sich Details der Mise-en-Scène, die das frühere Transfer schlichtweg verschluckte. Nie war das Psychoduell zwischen Clarice Starling (Jodie Foster) und Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) so eindringlich: Hopkins' analytischer Blick trifft das Publikum in den frontal gesetzten Close-ups mit einer Präzision, die durchdringend, ja unangenehm wirkt. Clarice erscheint in diesen Momenten verletzlicher und exponierter als je zuvor – ein Effekt, den dieses neue Release von Capelight wieder vollständig transportiert und deutlich macht, wie sehr das Originalmaterial von einem erweiterten Farbraum und Dynamikumfang sowie einem sauberen und hochwertigen Encoding profitiert.
Auch der Ton wurde endlich korrigiert. Die deutsche Fassung läuft nun in der richtigen Tonhöhe, ergänzt durch eine räumlichere Mischung mit sauberem Hochtonbereich und einem Bassfundament, das den Druck in den Gefängniskorridoren körperlich spürbar macht. Keine überdramatisierte Modernisierung, sondern eine angemessene und respektvolle Aktualisierung. Neben der deutschen und englischen Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 (leider kein Dolby Atmos) finden sich auch noch eine korrigierte englische und deutsche Tonspur in PCM 2.0 auf der Disc.
Besonders hervorheben möchten wir auch Capelights schön gestaltetes Mediabook: Neben der technisch hervorragenden UHD ist auch eine Blu-ray enthalten, die auf dem gleichen Master basiert wie die UHD – und der alten Blu-ray von 2009 in jeglicher Hinsicht überlegen ist. Zwar wurde die Blu-ray formatbedingt in kleinerem Farbraum mit weniger Dynamik gemastert (SDR erreicht maximal 100 Nits) und hat eine deutlich niedrigere Datenrate als die UHD – die oben beschriebenen Details sind, vor allem im Vergleich zur alten Blu-ray, aber auch hier auszumachen und die Farben sitzen da, wo sie sein sollen. Das neue Release lohnt sich deshalb auch für Filmfans, die keinen UHD-Player haben (oder nichts von HDR halten, das soll es ja auch geben). Auf einer zusätzlichen Bonus-Blu-ray findet sich umfangreiches und sorgfältig kuratiertes Archiv- und Hintergrundmaterial mit einer Laufzeit von über 4,5 Stunden!
Abgerundet wird diese tolle Veröffentlichung mit drei lesenswerten und gut übersetzten Essays von Alexandra West, Sam Moore sowie Josh Nelson im 48-seitigen Booklet – ansprechend gelayoutet mit Promo-Bildern und Stills aus dem Film.
Fazit:
Capelight liefert die mit Abstand beste Auswertung, die »The Silence of the Lambs« im deutschsprachigen Raum je erhalten hat – technisch sauber, ästhetisch umsichtig und erzählerisch wieder dort, wo der Film hingehört. Damit wirkt Demmes Kultthriller nicht nur restauriert, sondern regelrecht rehabilitiert: ein Klassiker, der nun im Heimkino messerscharf, rabenschwarz und zutiefst verstörend sein darf. Daher eine klare Kaufempfehlung von uns – und ein Sammlerstück, das in jedes Filmregal gehört!
Apropos "Sammlerstück": Erst gestern kam eine kleine, unerwartete Nachlieferung der genialen
Hannibal Lecter Ultimate Figure in der "Masked Version" von NECA rein, welche sich natürlich perfekt neben dem Mediabook in Eurem Filme-Regal macht. 😉
Ach, zu gern würden wir noch weiter mit euch über diesen grandiosen Film plaudern, aber wir haben ein Festessen mit einem alten Freund. 😋🍽️😜