Einmal alle 10, 20 Jahre findet ein Film den Weg ins Kino, der so ziemlich alles umkrempelt, was man bis dahin über den modernen Film gedacht hat und der einen auch persönlich so mitnimmt, dass man ihn am liebsten jeder Person zeigen würde, der man begegnet. Für unseren Tim ist das
»Pans Labyrinth«! Das Werk von Kultregisseur
Guillermo del Toro feiert dieses Jahr sein
20. Jubiläum und im Zuge der Ankündigung, mitsamt Trailer und exklusivem Plakat, dass der Film im Oktober zurück in die Kinos kommen wird – hierzulande geplant von Studiocanal, in den USA von Cineverse und Fathom Entertainment –, erinnert sich Tim:
Ich war 17 als »Pans Labyrinth« (oder »El laberinto del fauno«, wie er im spanischen Original heißt) endlich, etwa ein halbes Jahr nach dem internationalen Kinostart, im Februar 2007 in die deutschen Kinos kam. Der Film hatte schon etliche positive Kritiken bekommen in den Metal- und Gothic-Magazinen, die ich als Teenager gelesen habe und hatte auch erst ein paar Tage vorher
drei Goldjungen bei den Oscars abgesahnt, als ich mit drei Klassenkameradinnen unser Dorfkino besucht habe. Wir waren gerade mitten im
Fantasy-Boom, der von »Herr der Ringe«, »Harry Potter« und »Fluch der Karibik« ausgelöst worden war, und ich hatte schon ein kleines bisschen Del-Toro-Luft geschnuppert mit »Hellboy« und »Blade II«. Auch faszinierte mich der spanische Bürgerkrieg wahnsinnig ... und dennoch war ich nicht bereit dafür, was für ein Erlebnis dieser Film sein würde. Wunderschön, gleichzeitig tieftraurig und absolut verstörend, waren wir vier danach nicht die gleichen. Wochenlang begrüßten wir uns, indem wir mit den Händen vor uns hergestreckt in Manier des Pale Man durch die Gänge der Schule stolperten.
Wie del Toro in diesem Film die historische grausame Realität mit den märchenhaften Bildern einer verqueren Fantasy verwebt, ist genial und eine
Blaupause für einige seiner späteren Meisterwerke wie »The Shape of Water« oder auch »Pinocchio«.
Dabei erzählt der Film eine eigentlich einfache Geschichte:
Spanien 1944, kurz nach dem
Bürgerkrieg. Die junge
Ofelia (Ivana Baquero) zieht mit ihrer schwangeren Mutter (Ariadna Gil) zu ihrem Stiefvater, dem sadistischen
Franco-Hauptmann Vidal (Sergi López), der in den Bergen Jagd auf die letzten Widerstandskämpfer macht. In einem verfallenen Labyrinth begegnet Ofelia einem uralten
Faun (Doug Jones), der ihr eröffnet, sie sei die verlorene Prinzessin eines unterirdischen Reiches – und ihr drei Prüfungen aufträgt. Was folgt, ist definitiv kein Eskapismus: Die Märchenwelt ist so grausam wie die reale, und ob am Ende
Erlösung oder Tragödie steht, darüber streiten sich Fans bis heute.
Erst beim Schreiben dieses Textes habe ich übrigens erfahren, dass »Pans Labyrinth« eigentlich der zweite Teil einer geplanten Trilogie ist, die del Toro mit
»The Devil's Backbone« (2001) begonnen hatte, ebenfalls ein wunderschöner Geisterfilm im Bürgerkriegs-Spanien. Ein dritter Teil ist nie erschienen – ein Schicksal, das del Toro dann ja leider auch mit der Hellboy-Reihe widerfahren ist.
Das exklusive, großartige
Plakat zum Jubiläum stammt vom herausragenden amerikanischen Künstler
James Jean, den del Toro persönlich beauftragt hat. Vor 20 Jahren gestaltete Jean schon die Cover der DC-/Vertigo-Serie »Fables«. Märchenmotive ziehen sich also durch seine ganze Karriere. Mich persönlich erinnert das Motiv stark an die verwunschenen Bilderwelten des niederländischen Künstlers Anton Pieck. Schaut es Euch auf jeden Fall an und urteilt selbst. Mein Zimmer wird es vermutlich bald schmücken, sollte ich ein Exemplar finden.
Apropos Zimmer schmücken: Allen Fans sei ein Blick auf die Figuren der
"Guillermo del Toro Signature Collection" von NECA ans Herz gelegt – darunter der Faun, Ofelia, der Pale Man und sogar der Geistermeister del Toro höchstpersönlich. Leider sind die Schmuckstücke zwar aktuell restlos
vergriffen, aber es lohnt sich, die Augen offen zu halten – vielleicht gibt es die Kröte oder die Feen ja dann zum Re-Release.
Hier ist der offizielle
Trailer zum Jubiläum:
https://youtu.be/TaFZoqWoOj0Die Melodie von Ofelias Wiegenlied lässt noch immer einen Schauer über unsere Rücken kriechen!
Erscheinen wird »Pans Labyrinth« in ausgewählten Kinos als sorgfältige
4K-Restaurierung (die Version, die dieses Jahr im Mai schon in Cannes gezeigt wurde) oder in generiertem
3D. Beide Versionen wurden von del Toro selbst überwacht.